Traumaspuren in Körper und Geist

Ein Kindheitstrauma hinterlässt Spuren, nicht nur in deiner Seele, sondern auch in deinem Körper. Denn ein Trauma sitzt im Körper, oft noch Jahrzehnte später. Und kann zu verschiedenen psychischen und physischen Symptomen im Erwachsenenalter führen.

Vielleicht kennst du das: Du weißt längst, dass deine Kindheit nicht leicht war. Du hast viel darüber gelesen, gesprochen und nachgedacht. Und trotzdem kocht plötzlich die Wut hoch, dein Hals wird eng, oder du fühlst auf einmal gar nichts mehr. Warum reicht Verstehen allein nicht aus?

Was der Traumaforscher Bessel van der Kolk herausgefunden hat

Bessel van der Kolk ist Psychiater in Boston und arbeitet seit den 1970er-Jahren mit traumatisierten Menschen. Zuerst begleitete er Kriegsveteranen, später Frauen, die als Kinder sexualisierte Gewalt erlebt hatten. Dabei fiel ihm etwas auf: Beide Gruppen hatten erstaunlich ähnliche Beschwerden. Sie steckten in der Vergangenheit fest, so als wäre das Schlimme nie vorbei.

Seine Erkenntnisse hat er in seinem Buch „Verkörperter Schrecken” zusammengefasst. Der Originaltitel sagt schon alles: The Body Keeps the Score, auf Deutsch etwa: Der Körper führt Buch. Für mich ist es eines der wichtigsten Bücher über Trauma überhaupt: klug, menschlich und voller berührender Geschichten aus seiner Praxis.

Auch eine „ganz normale” Kindheit kann Spuren hinterlassen

Für ein Trauma braucht es nicht immer ein einzelnes, schreckliches Ereignis. Eine große amerikanische Untersuchung, die ACE-Studie (ACE steht für belastende Kindheitserfahrungen), hat gezeigt: Erlebnisse wie Vernachlässigung, Gewalt, Sucht oder psychische Erkrankung eines Elternteils oder die Trennung der Eltern sind weit verbreitet. Und sie hängen eng mit späteren seelischen und körperlichen Beschwerden zusammen.

Denk nur daran, dass es in den 60er-Jahren üblich war, Babys nach der Uhr zu füttern und einfach schreien zu lassen. An vieles davon kannst du dich nicht erinnern. Dein Körper aber schon.

Was ein Trauma in deinem Körper macht

Ein Trauma bringt das innere Alarmsystem durcheinander. Dein Gehirn bleibt in Alarmbereitschaft, auch wenn die Gefahr längst vorbei ist. Das zeigt sich meist in eine von zwei Richtungen:

  • Überflutet sein: Gefühle überrollen dich. Wutausbrüche, Panik, Tränen, die nicht aufhören wollen.
  • Abgeschaltet sein: Du fühlst dich leer, taub, wie hinter Glas. Fachleute nennen das Dissoziation.

Dazu kommen oft Konzentrationsprobleme, Erschöpfung oder das Gefühl, irgendwie nicht dazuzugehören. Van der Kolk konnte mit Gehirnscans zeigen, dass sich diese Zustände auch im Gehirn sichtbar unterscheiden.

Ich gebe es zu: Auch ich lebe mit Kindheitstraumata. Deshalb weiß ich aus eigener Erfahrung: Wenn mich ein emotionaler Flashback erwischt, weiß ich genau, wie sich das anfühlt.

Warum Verstehen allein nicht reicht

Van der Kolk beschreibt es so: Wenn du verstehst, warum du dich so fühlst, ändert das dein Gefühl noch nicht. Aber es kann dir helfen, nicht jedem starken Impuls sofort zu folgen.

Echte Veränderung braucht mehr als den Kopf. Sie braucht den Körper. Es geht darum, dich wieder zu spüren und dich in deinem Körper sicher zu fühlen. Wer den Kontakt zum eigenen Körper verliert, verliert ein Stück von sich selbst.

In seinem Buch stellt van der Kolk verschiedene Wege vor, die den Körper einbeziehen, zum Beispiel:

  • Yoga und bewusstes Atmen
  • EMDR (eine Methode mit Augenbewegungen)
  • Neurofeedback
  • die Arbeit mit inneren Anteilen
  • Theater, Singen und gemeinsamer Rhythmus

Endlich ein Name: die komplexe PTBS

Viele Betroffene haben über die Jahre mehrere Diagnosen gesammelt: Depression, Angststörung, ADHS, Borderline. Oft steckt dahinter auch eine frühe Verletzung, die nie gesehen wurde.

Van der Kolk und andere Fachleute haben sich jahrzehntelang dafür eingesetzt, dass die Folgen von Kindheitstrauma einen eigenen Namen bekommen. Seit 2022 gibt es die Diagnose komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (K-PTBS) im internationalen Diagnosekatalog ICD-11. In deutschen Praxen kommt sie erst nach und nach an. Doch für viele Betroffene ist schon der Name eine Erleichterung: Was mit mir los ist, hat einen Grund.

Zuhören verändert etwas

Eine Geschichte aus dem Buch hat mich besonders berührt. Eine Patientin sprach abwertend über sich selbst, und van der Kolk wollte sie trösten. Sie sagte ihm, es demütige sie, wenn er ihr vorschreibe, was sie fühlen soll. Er hat sich das zu Herzen genommen. Seitdem sah er seine Aufgabe darin, gemeinsam mit seinen Patienten eine neue innere Landkarte zu entdecken und Zuzuhören.

Und er schreibt: „Wenn wir das Gefühl haben, dass man uns zuhört und uns versteht, verändert sich unsere Physiologie.”

Genau so arbeite ich im Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode TEM©). Es gibt keine Ratschläge und keine Tipps. Ich höre dir zu, wir beziehen deinen Körper und deine Gefühle ein und erkunden gemeinsam deine innere Welt. Du lernst, überwältigende Gefühle zu beruhigen und wieder ins Fühlen zu kommen. Coaching ersetzt keine Therapie, kann dich aber auf deinem Weg gut begleiten. Und egal, wo du wohnst: Es klappt auch am Telefon.

Quelle:
Bessel van der Kolk: Verkörperter Schrecken. Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann. G.P. Probst Verlag.

Mein Coaching für Dich

Glaubst du, dass du auch ein Kindheitstrauma hast? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen? Vermutest du, dass eines die Kindheitstraumata bei dir vorliegt? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen?

Auch ich habe viele emotionalen Wunden aus der Kindheit davon getragen. Mir selbst hat Tiefe Empathie geholfen, und auf dieser Basis habe ich meine eigene Methode entwickelt: Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode, TEM©).

Sie hilft dir, für das unvollständig abgespeicherte Erlebnis in der Vorstellung ein gutes Ende zu finden. So wird Traumaintegration möglich: Du lebst freier, kannst dich besser entfalten und hast Zugang zu deinen Ressourcen. Möchtest du es ausprobieren?

In einem Schnuppercoaching am Telefon nehme ich mir 90 Minuten Zeit für das, was dich gerade am meisten belastet. Du erlebst, wie die Methode TEM© wirkt, und entscheidest danach in Ruhe, ob du mit mir weiterarbeiten möchtest.

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