Kindheitstrauma: Wie erkenne ich es und wie heile ich es?

Ein Kindheitstrauma erkennen ist oft gar nicht so leicht. Vielleicht reagierst du auf Kleinigkeiten mit heftigen Gefühlen, Beziehungen fühlen sich anstrengend an, und tief in dir sitzt das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Hinter solchen Erfahrungen können die Folgen eines Kindheitstraumas stecken.

In diesem Artikel erfährst du, woran du ein Kindheitstrauma erkennst und wie du es heilen kannst. Dabei stütze ich mich vor allem auf den amerikanischen Psychotherapeuten Pete Walker. Er hat selbst eine schwere Kindheit erlebt und schreibt aus eigener Erfahrung.

Was ist ein Kindheitstrauma?

Ein Kindheitstrauma entsteht nicht nur durch körperliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch. Auch Vernachlässigung, Zurückweisung, Verachtung und verletzende Worte können ein Kind tief verletzen, besonders wenn sie sich über Jahre wiederholen. Ein Kind kann diesen Schmerz nicht allein verarbeiten. Es braucht Erwachsene, die es trösten und verstehen. Fehlen diese Menschen, bleiben die Gefühle von damals im Körper und im Gehirn gespeichert.

Seit 2022 gibt es in der internationalen Klassifikation ICD-11 eine eigene Diagnose dafür: die Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (K-PTBS). Darunter fallen auch die Folgen von Traumatisierungen in der Kindheit.

Woran erkennst du ein Kindheitstrauma?

Ein Kindheitstrauma zeigt sich im Erwachsenenalter vor allem an drei Kennzeichen:

  • Deine Gefühle überrollen dich. Es fällt dir schwer, starke Emotionen zu regulieren.
  • Beziehungen fallen dir schwer. Nähe fühlt sich unsicher an, Konflikte eskalieren schnell oder du ziehst dich zurück. Ein typischer Beispiel aus meiner Liebes-Biografie: Wie ein Wandersturz mir die Augen über meine Beziehung öffnete
  • Du hast ein negatives Selbstbild. Du zweifelst an dir und fühlst dich nicht liebenswert.

Pete Walker beschreibt noch weitere typische Anzeichen.

Emotionale Flashbacks

Bei einem klassischen Flashback sieht ein Mensch Bilder aus der Vergangenheit. Ein ehemaliger Soldat fühlt sich zum Beispiel bei einem Feuerwerk plötzlich wieder in den Krieg zurückversetzt.

Bei einem emotionalen Flashback kommen keine Bilder zurück, sondern die Gefühle von damals: Scham, Wut, Hilflosigkeit, Verlassenheit oder Einsamkeit. Sie sind so stark, dass du sie kaum regulieren kannst. Als Kind konntest du sie ja auch nicht regulieren.

Auslöser (Trigger) können ganz unscheinbar sein: ein Blick, ein Geruch, ein Wort oder sogar ein eigener Gedanke. Manchmal kommt der Flashback erst Stunden oder Tage später. Deshalb ist es oft so schwer zu verstehen, was gerade mit dir passiert.

Vier Überlebensstrategien

Um mit den unerträglichen Gefühlen klarzukommen, entwickeln Kinder Überlebensstrategien. Pete Walker unterscheidet vier Typen:

  • Kampf: Du gehst in Angriff und Kontrolle.
  • Flucht: Du bist ständig beschäftigt und kommst nie zur Ruhe.
  • Erstarrung: Du ziehst dich zurück und spürst dich kaum noch.
  • Unterwerfung: Du passt dich an und stellst deine Bedürfnisse zurück.

Diese Strategien haben dir als Kind geholfen. Als Erwachsene stehen sie dir oft im Weg.

Der innere und der äußere Kritiker

Wer als Kind Abwertung erlebt hat, trägt diese Stimmen oft weiter in sich.

  • Der innere Kritiker sagt dir, dass du nicht gut genug bist. Er führt zu Perfektionismus und Selbstzweifeln.
  • Der äußere Kritiker sagt dir, dass andere nicht gut genug sind und dass Beziehungen sich nicht lohnen. Er führt in Rückzug und Einsamkeit.

Auf Dauer können beide Kritiker in Einsamkeit und Depression führen.

Häufige Fehldiagnosen

Viele Betroffene bekommen zunächst andere Diagnosen, zum Beispiel Depression, Angststörung, ADHS oder Borderline. Diese Symptome sind real. Wenn die Ursache aber in der Kindheit liegt, hilft eine reine Behandlung der Symptome oft nicht nachhaltig.

Wie heilst du ein Kindheitstrauma?

Die gute Nachricht ist: Ein Kindheitstrauma lässt sich heilen. Pete Walker ist selbst das beste Beispiel dafür. Heute arbeitet er als Psychotherapeut und lebt mit seiner Familie.

Heilung bedeutet dabei zweierlei. Du lernst, freundlicher mit dir selbst umzugehen, und du wirst Schritt für Schritt beziehungsfähiger.

Trauer und Wut zulassen

Pete Walker spricht von Trauerarbeit und Wutarbeit. Gemeint ist, dass du die Gefühle zulässt, die du als Kind verdrängen musstest. Das ist echte Arbeit und braucht Zeit und Geduld.

Heilung ist kein gerader Weg

Heilung verläuft selten geradlinig. Oft geht es zwei Schritte vor und einen zurück. Emotionale Flashbacks können auch später noch auftauchen, aber sie werden seltener, schwächer und kürzer. Du lernst, sie zu erkennen und gut für dich zu sorgen.

Was dir in der Begleitung hilft

Pete Walker hat selbst erlebt, wie schlecht es ihm bei unpassenden Therapeuten ging. Ratschläge, emotionale Distanz oder reines Analysieren können sich anfühlen wie früher: Du stehst wieder allein im Regen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung.

Nach Pete Walker helfen dir vor allem vier Dinge:

  • Empathie
  • echte, authentische Begegnung
  • Dialog auf Augenhöhe
  • eine Beziehung, in der du neue, gute Erfahrungen machen kannst

Kindheitstrauma heilen mit Tiefer Empathie

Genau diese vier Elemente stecken im Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode TEM©). Du erhältst Verständnis für alle Gefühle, die auftauchen. Du musst dabei nicht alles erzählen, was dir passiert ist.

So lernst du, deine Gefühle besser zu regulieren und mit Triggern umzugehen. Dein negatives Selbstbild darf weicher werden, und du entwickelst neue Muster für Beziehungen, die dir guttun.

Coaching mit Tiefer Empathie ist keine Psychotherapie. Es kann dich aber auf deinem Weg aus den Folgen deines Kindheitstraumas wirksam begleiten. Und es geht ganz unkompliziert auch am Telefon.

Buchtipp: Pete Walker

Wenn du tiefer einsteigen möchtest, empfehle ich dir das Buch von Pete Walker: „Posttraumatische Belastungsstörung – Vom Überleben zu neuem Leben“. Es ist ein praktischer Ratgeber zur Überwindung von Kindheitstraumata. Das Buch ist gut verständlich geschrieben und enthält viele Selbsthilfe-Tipps, zum Beispiel wie du einen emotionalen Flashback erkennst und durchstehst.

Raus aus den Schmerzen und rein ins Leben? Heile die emotionalen Wunden deiner Kindheit im Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode TEM©). Es geht auch am Telefon!

Mein Coaching für Dich

Glaubst du, dass du auch ein Kindheitstrauma hast? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen? Vermutest du, dass eines die Kindheitstraumata bei dir vorliegt? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen?

Auch ich habe viele emotionalen Wunden aus der Kindheit davon getragen. Mir selbst hat Tiefe Empathie geholfen, und auf dieser Basis habe ich meine eigene Methode entwickelt: Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode, TEM©).

Sie hilft dir, für das unvollständig abgespeicherte Erlebnis in der Vorstellung ein gutes Ende zu finden. So wird Traumaintegration möglich: Du lebst freier, kannst dich besser entfalten und hast Zugang zu deinen Ressourcen. Möchtest du es ausprobieren?

In einem Schnuppercoaching am Telefon nehme ich mir 90 Minuten Zeit für das, was dich gerade am meisten belastet. Du erlebst, wie die Methode TEM© wirkt, und entscheidest danach in Ruhe, ob du mit mir weiterarbeiten möchtest.

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9 Kommentare zu „Kindheitstrauma: Wie erkenne ich es und wie heile ich es?“

  1. Hier schreibt mal ein Mann 😉

    Ich bin auf Walkers Buch durch Zufall gestossen, weil ich schon den immer stärker gewordenen Eindruck gewonnen habe, das es was traumatisches ist…was ich oft täglich erlebe.
    Vieles aus dem Buch passt: Depression, immer wieder so Phasen (oft in einem wilden Wechsel…ein Tag gehts mir gut…und dann fall ich wieder ins Bodenlose) von Stimmungsschwankungen…die manchmal Wochen mich regelrecht in einer Apathie verharren lassen.
    Eine starke Tendenz…zu suchthaften Verhalten (Kontrollverlustig mit Tendenz der Selbstverletzung),
    Einen manchmal überbordenen Inneren Kritiker..uvm.

    Meine Biografie zeigt eine massiv emotional manipulierende Mutter (verm. Borderline)…gewalttätig..gegenüber dem Mann, und einen desinteressierten und emotional nicht verfügbaren Vater (mutmasslich gewisse Narzissmusanteile).
    Es gab in meiner frühsten Säuglingszeit Phasen, wo Mutter mich verlassen hat.Tage..oder Wochen.

    Eine Häufung von immer wiederkehrenden depressiven Episoden,mir bekannt..und auch ganz gut im Griff.

    Jetzt meine Frage: Ist es möglich, das durch eine Beziehung:………………

    (wo es zu ähnlichen „Verlassenheitsszenarien“ am Ende kam…was über Wochen und Monate wirklich extrem grausam für mich anfühlte.
    In den ersten Tagen nach der Trennung kam es zu wirklichen extremen Einsamkeitsgefühlen..wie ich sie nie zuvor für möglich gehalten habe. Und es gab Nachts spontan auch einige male wirklich so „visuelle Flashbacks“ wie ich sie eigentlich aus Filmen (Vietnamkrieg etc.) kenne.)

    ….möglich, das so etwas mit einer solchen Vehemenz aus der Kindheit hervorholen kann?

    Das war vor fast genau 4 Jahren…was ich sehe…das sich sovieles in Richtung eher zur Instabilitäten gewandelt hat..was mich erschreckt.

    Haben sie davon schon einmal gehört, das es möglich ist?

    Mit lieben Gruß aus G.

    Thomas

    Antworten
    • Lieber Thomas, Danke für Deine Ehrlichkeit.
      auf Deine Frage, ob aktuelle Beziehungen alte Gefühle auslösen können. Ja, klar, so wirken Kindheitstraumata. Unser „emotionales Gehirn“ hängt immer noch in der Vergangenheit hängt. Und deshalb macht es für mich auch total Sinn, dass Du nach der Trennung massive Einsamkeitsgefühle hattest (die über die Einsamkeit hinausgeht, die angemessen wäre), weil es an den Einsamkeitsgefühlen Deiner Kindheit andockt und diese emotionale Wunden wieder aufleben. Das muss sich wirklich schrecklich anfühlen – vor allem Einsamkeit ist ein schlimmer Trigger. Als Kind ist er mit Todesängsten verbunden…
      Und gleichzeitig fällt es uns aufgrund der emotionalen Wunden der Kindheit schwer, stabile Beziehungen als Erwachsener zu finden, weil die Vergangenheit immer wieder reinfunkt.
      Ich kennen beides aus eigener Erfahrung.
      Was mir Schritt für Schritt geholfen hat, ist Tiefe Empathie. Wenn Du Lust hast, dann buche ein Schnuppercoaching bei mir.
      Oder melde Dich für die kostenlose Demosession an, die ich bald einmal im Monat anbieten will.
      Auf youtube findest Du weitere Videos von mir zum Thema „Kindheitstrauma“, die die Wirkweise von Kindheitstrauma erklären und wie Tiefe Empathie hilft, die emotionalen Wunden zu integrieren.
      Liebe Grüße
      Andrea

      Antworten
  2. Pingback: - DialogKultur
  3. Vielen lieben danke für ihren Beitrag.
    Ich habe auch Kindheitstrauma s . Leider,werde ich von der Diagnostik nicht war genommen. Ich habe eine komplexe Traumafolgestörung ohne Pdts. Bzw. Emotional Flashbacks Verletzungen kenne ich. Ich kann noch nicht einmal bei einer Studie mitmachen da dieses zu Belastenden ist darüber zu reden. Mannheim hat mich abgelehnt weil ich keine Pdts habe Albträume und Bilder und ich habe Stabile Freundschaften. Lg tatjana

    Antworten
    • Liebe Tatjana, ja,leider werden Kindheitstrauma bzw. Entwicklungstrauma in der aktuellen Diagnostik nicht erfasst. Oft fehlt das Problembewusstsein bzw. das Bewusststein für Zusammenhänge. Ich habe mich selbst intensiv mit dieser Thematik beschäftigt, weil auch auf meine Fragen das offizielle Gesundheitssystem nur unzureichnend Antworten und Therapien zur Verfügung stellte. Mir hat die Tiefe Empathie sehr geholfen, deshalb biete ich sie auch für andere an.
      Und: drüber reden – da braucht es Schutz, denn es wühlt alles wieder auf und kann zur Retraumatisierung führen.
      Bei meinem Coaching mit Empathie musst du nicht drüber reden und erhältst für alle auftauchenden Gefühle Empathie und Verständnis und verbindest dich wieder mit deiner Lebendigkeit. Aufgrund eigener Erfahrung arbeite ich sehr traumasensitiv.
      Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.

      Antworten
  4. Guten Tag,
    mein Name ist Christine Zimmermann. Ich bin 43 Jahre alt und wohne bei Mainz. Können Sie mir Kliniken empfehlen die Entwicklungstraumata behandeln? Und welche ambulante Therapieform geeignet ist? Mit vt und tp bin ich nicht weit gekommen und verfalle immer wieder in Depressionen und Ängste.Bin leider auch in voller Erwerbsminderungsrente befristet für 2 Jahre.
    Ich bin gesetzlich krankenversichert.
    Über eine Antwort von Ihnen freue ich mich sehr.
    Beste Grüße,
    Christine Zimmermann

    Antworten
    • Liebe Frau Zimmermann,
      ich kenne die Problematik, dass das, was die Krankenkasse zahlt, oft nicht richtig greift. Ich selbst habe vom Konzept der Heiligenfeld Klinik profitiert (3 Kliniken für gesetzlich versicherte Waldmünchen, Uffenheim, Bad Kissingen), die zwar nicht explizit mit dem Thema Entwicklungstrauma arbeiten. Aber es ist ganzheitlicher Ansatz, an Gefühle ranzukommen und an seine kraft (in der Praxis Kommunikation habe ich gerade einen Artikel über Wutkraft geschrieben, für die Juni-Ausgabe 2020) und mit viel Nachnährem vom inneren Kind durch Umarmungen zum Beispiel. Und sie arbeiten auf Basis der Bindungstheorie (zumindest in Waldmünchen), das heißt, da ist schon mal ein Bewusstsein, wie wichtig Bindungen für die psychische Gesundheit sind.
      Mit anderen Kliniken habe ich keine Erfahrungen.
      Unterstützend finde ich auch die Meditationen für Selbstempathie von Sarah Peyton, die nachweislich neue Gehirnstrukturen aufbauen und es wird auch erklärt, wie Depressionen enstehen, zum Beispiel durch lebenslange Einsamkeit. Sie können den Buchtipp finden in meinem Blog mit Link zu den kostenlosen Meditationen auf deutsch und englisch als MP3.
      Und wenn Sie möchten, können Sie auch telefonisches Coaching in Tiefer Empathie bei mir buchen und einfach mal schauen, ob es Ihnen gut tut. Offiziell kann es keine psychischen Krankheiten heilen, weil ich keine Heilpraktikerin bin.
      Viele Grüße und Alles Gute nach Mainz.

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