ACE-Studie einfach erklärt: die 10 Arten von Kindheitstraumata

Was ist die ACE-Studie, und was sagt sie über Kindheitstrauma? Die amerikanische ACE-Studie beschreibt 10 Arten belastender Kindheitserfahrungen. Ihr wichtigstes Ergebnis: Emotionale Verletzungen in der Kindheit beeinflussen ein Leben lang die Gesundheit und das Verhalten als Erwachsener.

Vielleicht fragst du dich: Habe ich ein Kindheitstrauma? Wo fängt ein Trauma an? In diesem Artikel erfährst du, welche Kindheitserfahrungen die ACE-Studie als traumatisch einstuft und wie häufig sie vorkommen.

Was ist ein Kindheitstrauma?

Kindheitstrauma ist keine medizinische Diagnose. Meine ganz persönliche Definition von Kindheitstrauma ist:

  1. eine Erfahrung in der Kindheit,
  2. die dich emotional überfordert hat und
  3. bei der du allein gelassen wurdest.

Mehr darüber in meinem Blog: Kindheitstrauma – einfach erklärt

Was aber versteht die Wissenschaft unter kindlichen Traumatisierungen? Die bekannteste Antwort gibt die ACE-Studie.

Was ist die ACE-Studie?

ACE klingt nach den Vitaminen A, C und E, gemeint ist aber etwas anderes: die „Adverse Childhood Experiences“-Studie, eine Studie über belastende (wörtlich: nachteilige) Kindheitserfahrungen. Es handelt sich um eine medizinische Forschungsstudie, die von der US-Bundesbehörde CDC und einer privaten Krankenversicherung durchgeführt wurde.

Die Studie untersucht traumatische Kindheitserlebnisse und ihre Folgen im Erwachsenenalter. Dabei wurde statistisch und systematisch geprüft, welche Kindheitserlebnisse mit welchen Folgen zusammenhängen. Veröffentlicht wurde sie 1998. Mit rund 17.000 Teilnehmern im Alter von 19 bis 92 Jahren ist sie sehr umfangreich, und es gibt inzwischen diverse Folgestudien.

Die ACE-Studie kennt 10 Arten von Kindheitstrauma, die sich in drei Gruppen einteilen lassen.

Die 10 Arten von Kindheitstrauma in drei Gruppen

Nach der ACE-Studie gibt es drei Gruppen kindlicher Traumatisierung:

  1. Gewalt und Missbrauch: Die Eltern handeln aktiv.
  2. Vernachlässigung: Die Eltern bleiben passiv.
  3. Familiäre Umstände: Belastungen, für die niemand etwas kann.

[BILD 1 HIER EINFÜGEN: Infografik mit den Symbolbildern]

Infografik zur ACE-Studie: die Arten von Kindheitstrauma in drei Gruppen mit Symbolbildern, zum Beispiel eine Faust für körperliche Gewalt und ein Herz mit Messer für emotionale Gewalt
Infografik: Arten von Kindheitstraumata nach der ACE-Studie
  • Dateiname: ace-studie-infografik-arten-kindheitstrauma.png
  • Alt-Text: Infografik zur ACE-Studie: die Arten von Kindheitstrauma in drei Gruppen mit Symbolbildern, zum Beispiel eine Faust für körperliche Gewalt und ein Herz mit Messer für emotionale Gewalt
  • Bildunterschrift: Infografik: Arten von Kindheitstrauma nach der ACE-Studie

Triggerwarnung: Im Folgenden werden die einzelnen Traumata näher beschrieben. Wenn bei dir die Gefahr besteht, getriggert zu werden, geh bitte achtsam mit dir um und überspringe die Abschnitte, die dich belasten.

1. Gewalt und Missbrauch

Körperliche Gewalt: Ein Elternteil oder ein anderer Erwachsener hat dich oft gepackt, geschlagen oder etwas nach dir geworfen.

Emotionale Gewalt: Eltern oder andere Erwachsene haben dich beschimpft, beschuldigt, niedergemacht oder gedemütigt, oder sie haben sich allgemein so verhalten, dass du Angst hattest, verletzt zu werden.

Sexualisierte Gewalt: Ein Elternteil oder eine andere Person, die älter war als du, hat dich angefasst oder dich dazu gebracht, ihren Körper in sexueller Weise anzufassen. Dazu gehört oraler, analer oder vaginaler Geschlechtsverkehr. Auch der Versuch zählt bereits als sexualisierte Gewalt.

2. Körperliche und emotionale Vernachlässigung

Körperliche Vernachlässigung: Du hattest oft das Gefühl, nicht genug zu essen zu haben oder schmutzige Kleidung tragen zu müssen. Du hattest niemanden, der dich beschützt. Deine Eltern waren zu betrunken oder zu high, um sich um dich zu kümmern oder dich zum Arzt zu bringen, wenn es nötig gewesen wäre.

Emotionale Vernachlässigung: Du hattest oft das Gefühl, dass dich niemand in der Familie liebt und dass niemand dich für wichtig oder besonders hält. Die Familienmitglieder haben sich nicht umeinander gekümmert, hatten keine Nähe zueinander und haben sich nicht gegenseitig unterstützt. Deine Gefühle wurden nicht ernst genommen oder bagatellisiert.

3. Familiäre Umstände

  • Psychische Krankheit im Haushalt: Ein Familienmitglied leidet zum Beispiel an Depression, Schizophrenie oder einer Angststörung.
  • Suchtmittelmissbrauch im Haushalt, auch Alkohol.
  • Inhaftierung eines Familienmitglieds.
  • Miterleben häuslicher Gewalt gegen die Mutter, die Stiefmutter oder Geschwister.
  • Trennung oder Scheidung der Eltern.

Hinzugefügt habe ich finanzielle Notlage und Armut. Das ist nicht offiziell Teil der ACE-Studie. Nach meiner Erfahrung ist Armut aber durchaus ein Risikofaktor für ein Kindheitstrauma, und dazu gibt es auch andere Studien.

Wie häufig sind belastende Kindheitserfahrungen?

Am häufigsten wurde körperliche Gewalt genannt, mit mehr als 25 % der Teilnehmer. Die Teilnehmer wurden nicht gezielt nach Vorbelastung ausgesucht, sondern einfach aus der Bevölkerung ausgewählt. Ein einzelner Teilnehmer kann außerdem mehrere Belastungsfaktoren haben, also etwa körperliche Gewalt erlebt haben, während gleichzeitig ein Familienmitglied im Gefängnis war und emotionale Gewalt dazukam.

Balkendiagramm zur ACE-Studie: Häufigkeit der 10 Arten von Kindheitstrauma, von körperlicher Gewalt (über 25 %) bis Inhaftierung eines Familienmitglieds (5 %)
Die 10 Arten von Kindheitstrauma und ihre Häufigkeit nach der ACE-Studie
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  • Alt-Text: Balkendiagramm zur ACE-Studie: Häufigkeit der 10 Arten von Kindheitstrauma, von körperlicher Gewalt (über 25 %) bis Inhaftierung eines Familienmitglieds (5 %)
  • Bildunterschrift: Die 10 Arten von Kindheitstrauma und ihre Häufigkeit nach der ACE-Studie
BelastungsfaktorAnteil der Teilnehmer
Körperliche Gewaltmehr als 25 %
Sexualisierte Gewaltmehr als 20 %
Emotionale Vernachlässigung15 %
Häusliche Gewalt12–13 %
Emotionale Gewaltknapp über 10 %
Körperliche Vernachlässigung10 %
Inhaftierung eines Familienmitglieds5 %

Ebenfalls relativ häufig sind die Trennung der Eltern, Suchtmittelmissbrauch und die psychische Krankheit eines Familienmitglieds.

Mehr als 20 % bei sexualisierter Gewalt: Das ist, um es auf Fränkisch zu sagen, „schon viel“. Den Wert für emotionale Gewalt, also die Beschimpfungen, finde ich dagegen fast niedrig, verglichen mit dem, was ich nach meinen Erfahrungen schätzen würde. Und auch wenn eine Inhaftierung relativ selten ist: Ich persönlich kenne Menschen, die schon einmal im Gefängnis waren. Es kommt also vor.

Kindheitstraumata in Deutschland

Auch in Deutschland sind kindliche Traumatisierungen weit verbreitet. In einer deutschen Studie zu Kindheitstraumata aus dem Jahr 2010 wurden circa 2.500 Erwachsene im durchschnittlichen Alter von 50 Jahren nach traumatischen Kindheitserlebnissen befragt. Die Studienteilnehmer waren also in den 1960er Jahren geboren.

Die deutsche Studie kommt zu etwas anderen Ergebnissen als die amerikanische ACE-Studie:

BelastungAnteil der Befragten
Körperliche Vernachlässigung59 %
Emotionale Vernachlässigung56 %
Emotionale Misshandlung17 %
Körperliche Misshandlung14 %
Sexuelle Misshandlung14 %
Balkendiagramm: Häufigkeit von Misshandlung und Vernachlässigung in der Kindheit in Deutschland, Studie von 2010
Kindheitstraumata in Deutschland: Ergebnisse einer repräsentativen Befragung
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  • Alt-Text: Balkendiagramm: Häufigkeit von Misshandlung und Vernachlässigung in der Kindheit in Deutschland, Studie von 2010
  • Bildunterschrift: Kindheitstraumata in Deutschland: Ergebnisse einer repräsentativen Befragung

Frühes Trauma, späte Folgen: die Ergebnisse der ACE-Studie

Je mehr Traumatisierungen Menschen in ihrer Kindheit erlebt haben, desto größer ist der Einfluss auf die spätere Gesundheit, psychisch wie körperlich. Zu den Folgen im Erwachsenenalter zählen psychische Krankheiten, Suchtmittelmissbrauch und körperliche Krankheiten.

Quellen

Kindheitstrauma liebevoll heilen

Traumatische Kindheitserlebnisse haben ein Leben lang Folgen für das Leben und die Gesundheit als Erwachsener.

Die gute Nachricht: Du kannst dein Kindheitstrauma liebevoll heilen mit dem Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode TEM) und frei werden für ein gesundes, glückliches Leben.

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