Emotionale Wunden sind seelische Verletzungen aus der Kindheit. Fachleute sprechen von Bindungstrauma, Entwicklungstrauma oder Kindheitstrauma. Lange dachte man, solche Erfahrungen „wachsen sich aus”. Heute wissen wir: Sie hinterlassen Spuren im Gehirn. Doch diese Spuren lassen sich wieder verändern. Wie das mit Tiefer Empathie gelingen kann, zeige ich dir in diesem Artikel an einem Beispiel aus meiner Coachingpraxis.
Was sind emotionale Wunden?
Vielleicht denkst du bei einem Trauma zuerst an Gewalt, Unfälle, Krieg oder Naturkatastrophen. Doch auch überwältigende emotionale Erlebnisse in der Kindheit können traumatisch wirken. Dazu gehören Erfahrungen, die lange als „nicht so schlimm” galten, weil sie zum Alltag gehörten. In den 60er-Jahren war es zum Beispiel völlig üblich, ein Baby schreien zu lassen oder ein Kind körperlich zu bestrafen. Auch Vernachlässigung und ständige Abwertung hinterlassen tiefe Spuren.
Traumatisch wird eine Erfahrung vor allem dann, wenn sie das Kind überfordert, starke Gefühle auslöst und das Kind damit allein bleibt.
Im Erwachsenenleben können emotionale Wunden zu Depressionen und Ängsten, Zwängen oder Sucht führen. Oft zeigen sie sich auch in Beziehungen. Vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Punkt wieder:
- Du gerätst immer wieder an Menschen, die dir nicht guttun, und kommst nicht von ihnen los.
- Oder du hältst echte Nähe kaum aus und beendest Beziehungen und Freundschaften, sobald es schwierig wird.
- Es fällt dir schwer, deine eigenen Stärken zu erkennen.
- Du spürst eine seltsame innere Leere oder wirst schon bei Kleinigkeiten von Wut, Ärger oder Trauer überflutet.
Viele leiden sehr darunter, ohne zu wissen, woher das kommt.
Eine Folgen kommen vom Aufwachsen ohne Vater.
Warum der Verstand allein nicht reicht
Emotionale Wunden haben ihre Spuren tief im Gehirn hinterlassen: im Gefühlshirn (limbisches System) und im Hirnstamm. Mit dem Verstand allein kommst du dort kaum hin. Deshalb helfen bei Entwicklungstrauma vor allem Methoden, die Gefühle und den Körper einbeziehen. Eine davon ist die Tiefe Empathie.
Was ist Tiefe Empathie?
Wie wichtig eine mitfühlende Haltung für die Entwicklung eines Menschen ist, erkannte Carl Rogers schon Mitte des letzten Jahrhunderts. Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, machte daraus eine konkrete Methode: Er benannte die Gefühle und Bedürfnisse seines Gegenübers.
Die amerikanischen Trainerinnen und Trainer Robert Gonzales, Sarah Peyton und Susan Skye haben diesen Ansatz weiterentwickelt. Daraus entstand die Tiefe Empathie, ein Prozess von etwa 90 Minuten. Bei Sarah Peyton bilde ich mich seit Jahren fort. Auf dieser Grundlage habe ich meine eigene Methode entwickelt: Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode TEM©)
So läuft eine Session ab
Eine Session besteht im Wesentlichen aus sieben Schritten:
- Auslöser: Du bringst eine Situation mit, die gerade starke Gefühle in dir auslöst. Das kann etwas ganz Alltägliches sein. Wichtig ist nur, dass es dich berührt.
- Gedanken: Du sammelst die Gedanken, die dir dazu kommen. Ich schreibe sie auf und wiederhole sie immer wieder, langsam und liebevoll. Dadurch tritt der Verstand allmählich in den Hintergrund.
- Körperempfindungen: Während du zuhörst, spürst du in dich hinein. Was nimmst du in deinem Körper wahr?
- Gefühle: Welche Gefühle sind da? Alles darf sein. Gedanken, Empfindungen und Gefühle verändern sich in dieser Zeit: Manches verliert an Bedeutung, Neues kommt hinzu. Dieser langsame Teil dauert meist etwa eine Stunde. Gerade die Entschleunigung macht die Wirkung aus.
- Bedürfnisse: Gemeinsam schauen wir, welche Bedürfnisse damals oder heute unerfüllt geblieben sind. Du wählst das Bedürfnis, das dich am meisten berührt.
- Schönheit des Bedürfnisses: Du stellst dir mit allen Sinnen vor, wie es ist, wenn dieses Bedürfnis erfüllt ist. Was siehst, hörst, riechst und spürst du? Durch viele Wiederholungen verankert sich dieses Bild in dir.
- Auslöser checken: Zum Schluss schaust du noch einmal auf die Ausgangssituation, diesmal mit der Kraft des erfüllten Bedürfnisses. Meist bleibst du jetzt gelassen oder fühlst dich zumindest deutlich erleichtert.
Begegnung mit dem inneren Kind
Oft tauchen während der Session Erinnerungen aus der Kindheit auf. Dann kann ich dich zu einer Reise zu deinem inneren Kind einladen. Du gehst in deiner Vorstellung zurück, sprichst mit dem Kind von damals und bringst es an einen sicheren Ort.
Dabei werden häufig alte Gefühle frei. Damit sie gut aufgefangen werden, braucht es eine tragfähige Beziehung und viel Einfühlungsvermögen im Coaching.
In deiner Vorstellung kann eine schlimme Erfahrung zu einem guten Ende kommen. Dein Gefühlshirn kennt keine Zeit, es unterscheidet nicht zwischen damals und heute. Deshalb fühlt es sich so an, als hätte die alte Erinnerung tatsächlich gut geendet. Dein Gehirn bildet neue Verbindungen. So kannst du dich Schritt für Schritt von einer belasteten Vergangenheit lösen.
Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.
Die Veränderung kommt dabei nicht aus dem Kopf. Sie entsteht von innen heraus, ganz von allein, wie das folgende Beispiel zeigt.
Manchmal reicht eine einzige Session. Bei Erfahrungen, die sich über Jahre wiederholt haben, braucht es meist mehrere. Denn wir alle neigen dazu, alte Muster unbewusst immer wieder zu erleben, und so graben sie sich immer tiefer ein.
Ein Beispiel aus meiner Coachingpraxis
Eine Klientin, nennen wir sie Anna, ist selbstständig. Sie konnte sich einfach nicht aufraffen, die nötige Arbeit am PC zu erledigen. Ihre Gedanken waren: Das schaffe ich nicht. Ich bin total blockiert. Ich bin nicht liebenswert.
Zuerst wurde ihr schwindelig, später spürte sie Wärme. Arme und Beine fühlten sich blockiert an. Sie fühlte sich hilflos, ohnmächtig, müde, erstarrt und sehr allein. Dann stieg eine Erinnerung auf: Als Anna sechs Jahre alt war, hatte die Mutter sie zu Unrecht ausgeschimpft und als „verträumt” abgestempelt.
In ihrer Vorstellung reiste die erwachsene Anna zur kleinen Anna von damals. Sie sagte der Mutter klar, dass man so nicht mit Kindern umgeht. Dann nahm sie die Kleine an der Hand, und gemeinsam gingen sie zu einem Pferdehof. Dort standen Bierbänke, und die kleine Anna bekam eine Limo mit Strohhalm. Sie rochen Heu und Pferdemist, hörten Stimmengewirr und Hufgetrappel. Die Sonne wärmte ihre Gesichter, sie waren entspannt und lachten viel.
Nach der Session war Anna wie ausgewechselt. In den folgenden Tagen setzte sie sich ohne langes Zögern an den PC und erledigte, was zu tun war. Sogar ihre Kinder sagten: „Mama, mit dir ist irgendwas anders.”
Behutsam und sicher
Die Deutung liegt immer bei dir. Ich lade dich mit Fragen zu deinem inneren Erleben ein, die Antworten kennst nur du selbst. Wenn sich etwas in dir sträubt, wird das immer respektiert.
Du musst deine Erinnerungen nicht aussprechen. Das schützt vor einer Retraumatisierung, auch bei schweren Verletzungen. Ich habe großes Vertrauen in die Weisheit unserer Seele: Sie gibt nur das frei, was gerade zur Heilung ansteht. Werden die Gefühle zu stark, lenke ich deine Aufmerksamkeit behutsam zurück ins Hier und Jetzt.
Weil es um dein inneres Erleben geht, ist das Coaching mit Tiefer Empathie auch gut am Telefon möglich.
Wenn du Lust hast, dein Herz zu entlasten, probiere auch diese Meditation für mehr Selbstmitgefühl aus.
Möchtest du erleben, wie sich Tiefe Empathie anfühlt?
Mein Coaching für Dich
Glaubst du, dass du auch ein Kindheitstrauma hast? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen? Vermutest du, dass eines die Kindheitstraumata bei dir vorliegt? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen?
Auch ich habe viele emotionalen Wunden aus der Kindheit davon getragen. Mir selbst hat Tiefe Empathie geholfen, und auf dieser Basis habe ich meine eigene Methode entwickelt: Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode, TEM©).
Sie hilft dir, für das unvollständig abgespeicherte Erlebnis in der Vorstellung ein gutes Ende zu finden. So wird Traumaintegration möglich: Du lebst freier, kannst dich besser entfalten und hast Zugang zu deinen Ressourcen. Möchtest du es ausprobieren?
In einem Schnuppercoaching am Telefon nehme ich mir 90 Minuten Zeit für das, was dich gerade am meisten belastet. Du erlebst, wie die Methode TEM© wirkt, und entscheidest danach in Ruhe, ob du mit mir weiterarbeiten möchtest.
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6 Kommentare zu „Emotionale Wunden heilen mit tiefer Empathie“