Entwicklungstrauma heilen: Warum Beziehung und Lebendigkeit der Schlüssel ist

Entwicklungstrauma heilen: Geht das überhaupt, wenn die Verletzungen aus den ersten Lebensjahren stammen? Ja, denn auch alte Wunden können heilen. Dafür braucht es aber mehr als Reden und Verstehen. Dein Körper muss mit einbezogen werden, und du brauchst die Fähigkeit, dich selbst zu regulieren. Wie das zusammenhängt, erklären Laurence Heller und Aline LaPierre in ihrem Buch „Entwicklungstrauma heilen“.

Was ist ein Entwicklungstrauma?

Ein Entwicklungstrauma entsteht nicht durch ein einzelnes schlimmes Ereignis. Es entsteht, weil über lange Zeit etwas gefehlt hat. Vielleicht wurdest du als Kind nicht gesehen, nicht getröstet oder nicht gehalten. Vielleicht war niemand da, der gespürt hat, was du brauchst. Was ein Kindheitstrauma genau ist, habe ich dir in Kindheitstrauma – einfach erklärt zusammengefasst.

Ein Kind kann sich nicht selbst versorgen. Es ist völlig auf seine Bezugspersonen angewiesen. Wenn diese seine Bedürfnisse nicht erfüllen, muss das Kind einen Weg finden, damit zu überleben. Und das tut es auch, allerdings mit Folgen bis ins Erwachsenenleben.

Die fünf Kernbedürfnisse

Heller und LaPierre haben die Methode NARM entwickelt. Die Abkürzung steht für NeuroAffective Relational Model, auf Deutsch: neuroaffektives Beziehungsmodell. NARM baut unter anderem auf der Arbeit von Peter Levine auf und geht davon aus, dass jeder Mensch fünf grundlegende Bedürfnisse hat:

  • Kontakt: in Verbindung sein mit deinem Körper, deinen Gefühlen und anderen Menschen
  • Einstimmung: spüren, was du brauchst, und es dir holen können
  • Vertrauen: dich auf andere verlassen können
  • Autonomie: Grenzen setzen, Nein sagen und deine Meinung sagen, ohne Angst und Schuldgefühle
  • Liebe und Sexualität: mit offenem Herzen leben und Liebe und Sexualität miteinander verbinden

Wurden diese Bedürfnisse in deiner Kindheit erfüllt, hast du gelernt, später selbst gut für dich zu sorgen. Wenn nicht, sind deine Selbstregulation, dein Selbstwertgefühl und deine Identität wackelig geworden. Mehr dazu findest du in meinem Artikel über Existenztrauma und Bindungstrauma.

Was dich früher geschützt hat, bremst dich heute

Wenn ein Kind nicht bekommt, was es braucht, entwickelt es Überlebensstrategien. Ein Beispiel ist das Bedürfnis nach Einstimmung. Ein Baby, das zu wenig Nähe, Nahrung und Trost bekommt, lernt Schritt für Schritt:

  • seine Bedürfnisse kleinzuhalten,
  • sie zu übergehen,
  • und sich am Ende ganz von ihnen abzuschneiden.

Das war damals klug. Es hat dem Kind geholfen, eine Situation auszuhalten, die es nicht ändern konnte. Heute bist du erwachsen und könntest selbst für dich sorgen. Doch tief in dir sitzt noch die alte Überzeugung: „Was ich brauche, bekomme ich sowieso nicht.“ Du siehst die Welt durch die Brille deiner Kindheit.

Typische Spuren solcher Überlebensstrategien im Erwachsenenalter sind zum Beispiel:

  • Du weißt oft gar nicht, was du eigentlich brauchst.
  • Du hast das Gefühl, dich nur auf dich selbst verlassen zu können.
  • Du fühlst dich ständig unter Druck und kannst schlecht Nein sagen.
  • Dein Selbstwert hängt an Leistung oder Aussehen.

Die meisten psychischen und viele körperliche Probleme beruhen darauf, dass wir den Kontakt zu uns selbst und zu anderen verloren haben. (frei nach Laurence Heller und Aline LaPierre)

Entwicklungstrauma heilen braucht den Körper

Ein zentraler Gedanke des Buches lautet: Kontakt und Lebendigkeit gehören zusammen. Wenn du in Kontakt mit dir bist, fühlst du dich lebendig. Und wenn du dich lebendig fühlst, bist du in Kontakt.

Menschen mit Entwicklungstrauma haben ihre Lebendigkeit oft heruntergeregelt. Sie ziehen sich innerlich zurück, spüren sich wenig oder fühlen sich wie abgeschnitten. Das ist kein Charakterfehler. Dein Nervensystem hat gelernt, sich so zu schützen.

Deshalb steht beim Heilen die Selbstregulation an erster Stelle:

  • Körperlich heißt das zum Beispiel, schlafen zu können, wenn du müde bist, und Stress gesund abzubauen.
  • Emotional heißt das, mit starken Gefühlen wie Wut, Trauer oder Angst umgehen zu können, ohne von ihnen überrollt zu werden.

Fehlt diese Fähigkeit, wird das Leben anstrengend. Manche Menschen greifen dann zu Süchten, um sich irgendwie zu beruhigen. Bevor es also darum geht, alte Glaubenssätze aufzulösen, braucht dein Nervensystem Sicherheit. Gefühle dürfen da sein und werden gehalten. Sie müssen nicht weggedrückt oder an anderen ausgelassen werden. Wie du lernen kannst, dir selbst mit Mitgefühl zu begegnen, zeigt die Selbstresonanz.

Heilung, die nicht beim Schmerz stehen bleibt

Es gibt Ansätze, die nicht bei der Frage stehen bleiben, warum du so bist, wie du bist. Dazu gehören NARM und mein Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode TEM©). Sie bleiben nicht in der Vergangenheit verhaftet, sondern schauen darauf, wie deine Vergangenheit dein Erleben heute noch färbt. Im Mittelpunkt stehen die Ressourcen, die du in der Gegenwart hast.

Denn die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wer immer nur auf den Schmerz schaut, wird immer besser darin, Schmerz zu spüren. Wer auch die eigenen Kräfte wahrnimmt, kann sie wachsen lassen. In jedem Menschen gibt es diese Kraft, die nach Verbindung und Lebendigkeit strebt, so wie eine Pflanze sich zum Licht dreht.

Heilung geschieht dabei in Beziehung: langsam, auf Augenhöhe und mit einem Gegenüber, das zuhört und deine Gefühle mithält, statt sie zu bewerten. So kann dein Nervensystem nach und nach erfahren, dass Kontakt sicher ist.

Um Entwicklungstrauma zu heilen, braucht es Achtsamkeit, die Einbeziehung des Körpers, Mitgefühl und ganz viel Zeit.

Andrea Wiedel

Mein Fazit zum Buch

„Entwicklungstrauma heilen“ von Heller und LaPierre ist gut lesbar und vermittelt die Grundzüge der Methode NARM verständlich. Gleichzeitig werden die Grundzüge von Entwicklungstrauma sehr gut und fundiert erklärt, so dass es auch jenseits der Methode sinnvoll ist. Übersichten und Mitschriften echter Therapiesitzungen zeigen, wie die Methode in der Praxis aussieht. Mit rund 400 Seiten richtet sich das Buch vor allem an Fachleute. Betroffenen kann es aber auch helfen, sich selbst besser zu verstehen (vor allem wegen dem fundierten Grundlagenteil).

Weitere Bücher, die ich empfehle, findest du in meinen Buchtipps.

Die Integration von Entwicklungstrauma ist ohne Einbeziehung des Körpers nicht möglich.

Andrea Wiedel

Mein Coaching für Dich

Glaubst du, dass du auch ein Kindheitstrauma hast? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen? Vermutest du, dass eines die Kindheitstraumata bei dir vorliegt? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen?

Auch ich habe viele emotionalen Wunden aus der Kindheit davon getragen. Mir selbst hat Tiefe Empathie geholfen, und auf dieser Basis habe ich meine eigene Methode entwickelt: Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode, TEM©).

Sie hilft dir, für das unvollständig abgespeicherte Erlebnis in der Vorstellung ein gutes Ende zu finden. So wird Traumaintegration möglich: Du lebst freier, kannst dich besser entfalten und hast Zugang zu deinen Ressourcen. Möchtest du es ausprobieren?

In einem Schnuppercoaching am Telefon nehme ich mir 90 Minuten Zeit für das, was dich gerade am meisten belastet. Du erlebst, wie die Methode TEM© wirkt, und entscheidest danach in Ruhe, ob du mit mir weiterarbeiten möchtest.

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7 Kommentare zu „Entwicklungstrauma heilen: Warum Beziehung und Lebendigkeit der Schlüssel ist“

  1. Vielen Dank für die frei zugängliche Aufklärung.
    Das Angesprochene ( mit dem Körper) stimmt mit dem über ein, was auch ich beruflich ( Pflegekraft Psychiatrie) und privat ( Freigeist: Was ist das Trauma zwischen dem Mensch und unserer Natürlichen Lebenskraft bzw. die Frage :spiegelt der Zustand unserer irdischen Umwelt die Beziehungsqualität wieder die wir mit der Kraft unserer Natur pflegen? Was in mir hört ihr zu? Sind ausgebildete Formen insgesamt eher männlich einzuordnen?
    Was ist der natürliche Konflikt zwischen Mutter und Sohn? Befindet sich die Menschheit in der Pupertät? Gibt es auch ein in den Genen weitergereichtes gespeichertes körperliches Trauma und ist durch die Missachtung, dem nicht in Kontakt sein mit unserer Weiblich fliessenden Kraft insgesamt eine menschliche Umlenkung Überlebensstrategie entstanden? Ist es nicht so dass die Wissebschaft immer nur einen Wert für das findet dass sie verstanden hat und keinen Wert hat für das was sie nicht versteht, obwohl sie zugeben muss, dass das was sie aufgedeckt hat schon war bevor sie es verstanden hat?
    Scham entsteht durch Diskrepanz.
    Wahrscheinlich gilt es zu akzeptieren, dass alles seine Zeit zum reifen braucht und vieles nicht reif ist. Aber ein Unreifes und ein Reifes ist doch aus dem selben Wert? Oder nicht.
    Naja danke- werd heute mal versöhnlich mit meinen Körper sprechen und ihm zuhören.
    Lg
    one in us

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