Habe ich ein Kindheitstrauma, ein Entwicklungstrauma oder ein Bindungstrauma? Kann man ein Trauma haben, ohne es zu wissen? Und welche Folgen haben Verletzungen aus der Kindheit für mein Leben heute?
Manchmal ist die Antwort klar. Wenn du als Kind sexualisierte oder körperliche Gewalt erlebt hast, liegt eindeutig ein Trauma vor.
Oft ist es aber gar nicht so klar. Ist eine Ohrfeige schon ein Trauma? Oder Stubenarrest? Was ist, wenn deine Eltern kaum Zeit für dich hatten, weil sie viel gearbeitet haben? Wenn sie ständig gestritten haben? Wenn dein Vater getrunken hat?
Und muss ein Trauma immer in der Familie entstehen? Was ist, wenn dich ein Lehrer vor der ganzen Klasse bloßgestellt hat oder du von Mitschülern gehänselt wurdest? Kann auch ein Unfall, ein Krankenhausaufenthalt oder sogar ein Zahnarztbesuch ein Kindheitstrauma auslösen?
Die ehrliche Antwort lautet: Ja, das alles kann ein Trauma sein, muss es aber nicht. Entscheidend ist nicht allein, was passiert ist. Entscheidend ist, wie du es als Kind erlebt hast und ob jemand für dich da war. Was das genau bedeutet, erkläre ich dir in diesem Artikel.
Welche zehn Erfahrungen die Wissenschaft als Kindheitstrauma einstuft, liest du hier: ACE-Studie einfach erklärt
Was ist ein Kindheitstrauma? Meine Definition
Kindheitstrauma ist keine medizinische Diagnose. Eine Traumatisierung ist die Art und Weise, wie eine Erfahrung im Gehirn gespeichert wird.
Meine persönliche Definition lautet:
Ein Kindheitstrauma ist jede Erfahrung, die dich in deiner Kindheit emotional überfordert hat und deshalb unvollständig in deinem Gedächtnis gespeichert ist.
Darin stecken drei wichtige Bausteine:
- Eine Erfahrung in der Kindheit
Die Kindheit beginnt dabei schon im Mutterleib und reicht bis ins Jugendalter. Denn schon ein Ungeborenes hat Gefühle und spürt, ob seine Mutter in Ruhe oder in großer Not ist. - Emotionale Überforderung
Was ein Kind überfordert, ist sehr unterschiedlich. Ein Kind kann etwas gut zu verkraften ist, für ein anderes kann es bereits zu viel sein. - Unvollständig im Gedächtnis gespeichert
Ein Trauma verändert etwas in deinem Gehirn. Es ist kein „Gehirnschaden”, sondern eine besondere Art, wie die Erfahrung abgespeichert wurde.
Ein Kindheitstrauma ist also nicht nur das, was du als Kind erlebt hast, sondern auch, wie das Erlebnis in deinem Gehirn gespeichert ist.
Zwei Beispiele machen das deutlich.
Beispiel 1: Ein Sturz mit gutem Ende
Stell dir vor, du bist als Kind allein unterwegs und fällst hin. Du tust dir sehr weh, kannst nicht mehr laufen und weinst. Da kommt jemand, bleibt bei dir, tröstet dich und bringt dich nach Hause, wo du verarztet wirst.
Hier entsteht kein Kindheitstrauma.
Beispiel 2: Ein Sturz, bei dem niemand da ist
Du fällst als Kind hin, tust dir weh und weinst. Bis hierhin ist alles wie im ersten Beispiel.
Doch diesmal kommt niemand. Du bist allein, überfordert und hilflos. Unter großen Schmerzen humpelst du nach Hause. Und auch dort ist niemand, der dich tröstet, dich verarztet und einfach für dich da ist.
Hier entsteht vermutlich ein Trauma.
Wie ein solcher Sturz alte Wunden sichtbar machen kann, habe ich selbst erlebt: Wie ein Wandersturz mir die Augen über meine Beziehung öffnete
Wie funktioniert unser Gedächtnis?
Im ersten Beispiel entsteht kein Trauma, weil die Geschichte ein gutes Ende hatte. Jemand war für dich da. Dieses Dasein eines anderen Menschen, man nennt es auch emotionale Präsenz, schützt ein Kind vor einer Traumatisierung.
Deshalb wird die Erfahrung vollständig in deinem Gedächtnis gespeichert, sozusagen als Geschichte mit Happy End. In der Fachsprache heißt das: kohärent gespeichert.
Als Erwachsener weißt du, dass der Sturz Vergangenheit ist. Er ist eine abgeschlossene Geschichte, die du deinen Freunden, deinen Kindern oder auf einer Party erzählen kannst. Mit deinen Gefühlen und deinem Verhalten heute hat sie nichts mehr zu tun.
Was passiert im Gedächtnis bei einem Trauma?
Im zweiten Beispiel hat die Erfahrung dich überfordert und kein gutes Ende gefunden. Deshalb wird sie als unvollendete Geschichte gespeichert. In der Fachsprache heißt das: inkohärent gespeichert.
Einerseits weißt du, dass das alles lange her ist. Andererseits schwirren noch Erinnerungsschnipsel in dir herum, die dir vielleicht gar nicht bewusst sind: vor allem Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken, Glaubenssätze und innere Überzeugungen. Und genau diese Erinnerungsschnipsel wirken bis in die Gegenwart hinein und beeinflussen auch dein Leben als Erwachsener.
Wie wirkt sich ein Kindheitstrauma im Erwachsenenalter aus?
Irgendwie versuchst du, mit dem Erlebten klarzukommen. Du entwickelst Überlebensstrategien. Damals als Kind haben sie dir geholfen. Heute stehen sie dir oft im Weg.
Manchmal fühlt es sich an, als würdest du dein Leben mit angezogener Handbremse leben.
Mögliche seelische Folgen
Am Beispiel des Sturzes zeige ich dir, welche Folgen ein Kindheitstrauma haben kann. Die Folgen sind für dieses kleine Beispiel bewusst übertrieben. Sie sollen dir aber zeigen, wie unsere Seele nach einer Verletzung arbeitet und das typische Muster von Folgen aufzeigen.
Als Kind bist du hingefallen, hast dir wehgetan und niemand war für dich da. Als Erwachsener könnte das so aussehen:
- Du hast übertriebene Angst hinzufallen (Angst).
- Du wirst wütend, wenn du dich irgendwo stößt (Trigger).
- Du bist oft ohne erkennbaren Grund traurig und weinst viel (Niedergeschlagenheit).
- Du hast wenig Lebenskraft und Lebensfreude (angezogene Handbremse, evtl. Depression).
- Du hast das Gefühl, alles falsch zu machen (geringer Selbstwert).
- Du spürst deine körperlichen Grenzen nicht mehr und verausgabst dich, so wie damals als Kind (Erschöpfung, Burnout).
- Du ignorierst Schmerzen und bist hart zu dir selbst (verdrängte Gefühle).
- Du sprichst abfällig über Menschen, die Hilfe und Zuwendung bekommen (Abwehr der eigenen Bedürfnisse).
- Du vertraust niemandem mehr, weil du als Kind allein gelassen wurdest.
Typische Überlebensstrategien
Weil du als Kind überfordert und allein warst, hast du Wege gefunden, damit umzugehen. Auch diese Beispiele sind übertrieben, zeigen aber die Logik dahinter:
- Du gehst kaum noch aus dem Haus, damit dir so etwas nicht wieder passiert (Rückzug).
- Du gehst nur noch mit Verbandskasten und Handy aus dem Haus (Kontrolle).
- Du kümmerst dich ständig um andere und lenkst dich so von deinen eigenen Gefühlen ab (Helfersyndrom).
- Du wählst einen sozialen Beruf, damit es anderen nicht so geht wie dir damals.
- Du wählst einen medizinischen Beruf, um nie wieder so hilflos zu sein.
- Du wirst Stuntman oder Stuntfrau, um dir zu beweisen, dass dir Schmerzen nichts ausmachen (Flucht nach vorn).
Natürlich steckt nicht hinter jeder Berufswahl ein Trauma. Aber meine Erfahrung zeigt: Viele Menschen in helfenden Berufen tragen eigene Verletzungen aus der Kindheit mit sich und versuchen, sie über ihre Arbeit zu verarbeiten.
Wie kannst du ein Kindheitstrauma aufarbeiten?
Eine liebevolle Möglichkeit ist das Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode TEM©).
Im Coaching führst du die unvollendeten Geschichten deiner Kindheit zu einem guten Ende. In deiner Vorstellung schreibst du ein Happy End für die schmerzhaften Erlebnisse und bist dabei in Verbindung mit deinen Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken. So kann die alte Erfahrung in deinem Gedächtnis neu gespeichert werden: als Geschichte mit gutem Ende.
Trigger und alte Muster verlieren dadurch an Kraft. Du kannst die Handbremse der Vergangenheit Stück für Stück lösen und dein Leben freier gestalten.
Eine schwere Kindheit kann man nicht ungeschehen machen. Aber du kannst verändern, wie sie in dir gespeichert ist, und mehr Raum für Lebensfreude, Lebendigkeit und Liebe schaffen.
Wichtig: Coaching ersetzt keine Psychotherapie. Wenn du unter starken Ängsten, Depressionen oder anderen schweren Beschwerden leidest, wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Psychotherapeutin.
Mein Coaching für Dich
Glaubst du, dass du auch ein Kindheitstrauma hast? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen? Vermutest du, dass eines die Kindheitstraumata bei dir vorliegt? Möchtest du die emotionalen Verletzungen deiner Kindheit heilen?
Auch ich habe viele emotionalen Wunden aus der Kindheit davon getragen. Mir selbst hat Tiefe Empathie geholfen, und auf dieser Basis habe ich meine eigene Methode entwickelt: Coaching mit Tiefer Empathie (Tiefe-Empathie-Methode, TEM©).
Sie hilft dir, für das unvollständig abgespeicherte Erlebnis in der Vorstellung ein gutes Ende zu finden. So wird Traumaintegration möglich: Du lebst freier, kannst dich besser entfalten und hast Zugang zu deinen Ressourcen. Möchtest du es ausprobieren?
In einem Schnuppercoaching am Telefon nehme ich mir 90 Minuten Zeit für das, was dich gerade am meisten belastet. Du erlebst, wie die Methode TEM© wirkt, und entscheidest danach in Ruhe, ob du mit mir weiterarbeiten möchtest.
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Hallo, Andrea Wiedel. Hatte mir in deinem Termin-Kalender den 09.02.24, 14:00 reserviert, aber leider kann ich nicht mit PAY PAL zahlen. Würde gerne per Überweisung zahlen. Wäre das möglich? Bin mental etwas eingeschränkt. DANKE!
Bin sehr an das Coaching mit tiefer Empathie interessiert, da es mir psychisch inzwischen ausgesprochen schlecht geht. Ich danke dir von Herzen! D. Kluge aus Lüchow